Angetreten sind Schüler und Studenten gegen eine gezielte Verschlechterung ihrer sozialen Lage als zukünftige Berufstätige. Für sie und alle andern bis zum Alter von 26 will die Regierung prekäre Beschäftigungsverhältnisse zur Norm machen: Sie sollen ohne Fristen, ohne Abfindung und ohne Begründung von den ‚Patrons‘ so leicht gefeuert wie geheuert werden können. Arbeitsplätze, die gesetzlich als Gelegenheitsjobs definiert sind, halten die Demonstranten nicht für eine Chance, auch nicht für eine Einstiegschance ins Berufsleben. Sie sind nicht bereit, sich auf die neue Lage mit noch mehr persönlichem Einsatz, also verschärfter Konkurrenz untereinander, einzustellen, und mögen auch nicht blauäugig auf ihre höhere Qualifikation bauen, die sie im Unterschied zu anderen vor Arbeitslosigkeit und schlechten Jobs schützen würde. Klipp und klar rechnen sie der französischen Öffentlichkeit vor, dass der verordneten Tagelöhnerei alles fehlt, was sie von der Beschäftigung verlangen, auf die sie sich in Schule und Studium vorbereiten: Auf ein Niedrig-Einkommen, das von einem Tag auf den anderen entfallen kann, können sie keine Familie, keinen Hausstand gründen und noch nicht einmal die dafür nötigen Kredite von den Banken erhalten. Außerdem wissen sie, dass eine jederzeit mit sofortiger Wirkung kündbare Arbeitskraft auch innerhalb des Arbeitsverhältnisses grenzenlos erpressbar ist, – und nennen das „Sklaverei“. Auch sich selbst, immerhin Leute mit Schul- und Uniabschlüssen, sehen sie auf dem Weg in eine Existenzunsicherheit, wie sie für ihre neulich aufsässigen Vorgänger aus den Cités längst der Normalfall ist. „Wegwerfjugend“ – dazu will man sich nicht machen lassen und verweigert daher auch die in Europa inzwischen durchgesetzte wirtschaftliche Vernunft, nach der alles „sozial ist, was Arbeit schafft.“ Alles nicht!